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Was ist Schönstatt

Was ist Schönstatt

Was ist Schönstatt?

Am 18.Oktober 1914 begann Pater Kentenich mit einigen Jugendlichen ein neues pädagogisches Programm umzusetzen: "Wir wollen uns unter dem Schutze Mariens selbst erziehen zu festen, freien, priesterlichen (christlichen) Charakteren." Es ging darum sein Leben und seine Erfahrungen bewusst in den Blick zu nehmen und an der eigenen Persönlichkeit zu wachsen. Das Neue an der Idee war das so genannte Liebesbündnis: Einen Bund, den man mit Maria, der Mutter Jesu schließt.

Dieser Bund zog weite Kreise: Die Frage wie man sein Leben, seinen Alltag mit einer größeren Perspektive verbinden kann fand darin eine konkrete Form. Der wechselseitige Bund schaffte ein neues Bewusstsein: Glaube ist nicht ein Teilbereich des eigenen Lebens, sondern durchdringt es ganz und gar. Maria ist Sinnbild und konkrete Bündnispartnerin: Sich ihr anzuvertrauen und mit ihr zusammen an dem Bauen, was Gott für das Leben eines jeden Menschen als Mögliches vorgesehen hat, ist die Grundlage dieses neuen Bewusstseins.

Begonnen hatte es mit einigen Jugendlichen, doch bald schlossen sich Frauen, Männer und schließlich auch Familien und Priester zusammen um gemeinsam in dieser Art, an der Hand Mariens, ihr Leben zu gestalten. Der Gedanke, dass Gott für jeden Menschen einen eigenen Plan hat, eine Uridee, ist bei dieser Lebensgestaltung maßgebend. (In Schönstatt wird diese Idee Persönliches Ideal genannt)

Es ist eine Verbindung dieser Selbsterziehung mit diesem Bund mit Maria, der eine eigenartige Ausstrahlung besitzt. Die Erfahrung: Ja, ich bin in meinem Leben nicht einfach ausgeliefert, sondern kann daran mitbauen und das Vertrauen auf die "andere Seite" – eben Maria – birgt das Potential, dass Glaube auch heute immer wieder aktuell und in einer echten Art und Wiese gelebt werden kann.

Der Ort Schönstatt

Vallendar, ein kleiner Ort, bei Koblenz am Rhein ist der Geburtsort Schönstatts. Hier befindet sich das so genannte Urheiligtum, die Gnadenkapelle, in der Pater Joseph Kentenich am 18. Oktober 1914 mit einigen Jugendlichen das Liebesbündnis schloss. Die Bindung an Orte ist wichtiges Element in Schönstatt, sind es doch Erfahrungen und Werte, die eine Persönlichkeit ausmachen und die sich immer auch mit konkreten Orten verbinden. Kentenich und die Jugendlichen baten Maria, sie möge an diesem Ort ihren Thron aufschlagen und von hier aus mithelfen bei der Gestaltung des eignen Lebens, der Kirche und des Umfeldes, wo auch immer der einzelne steht. Das Heiligtum und das, was es ausdrückt fand seinen Weg in die Herzen und in das Leben vieler Menschen. So gibt es neben der Gnadenkapelle in Schönstatt über 200 Nachbauten des Heiligtums, die denselben Vorgang ausdrücken wollen: Das Liebesbündnis, das hier mit Maria geschlossen wurde soll auch an ganz verschiedenen Orten immer wieder Wirklichkeit werden. Dieser Gedanke setzte sich auch im Leben des Einzelnen durch: Im Hausheiligtum soll ein Gebetsort und eine Präsenz des Bundes am Wohnort einer Hausgemeinschaft ausgedrückt werden.

Doch bei aller Ausformung behält das Urheiligtum in Schönstatt, das verbunden ist mit der Geschichte und der Ausbreitung dieses Bundes, ein besonderer Ort, eine Wallfahrtsstätte zu der viele Menschen aus allen Ländern kommen und ihr Vertrauen in die Realität des Liebesbündnisses ausdrücken.

Der Gründer Pater Kentenich

Als uneheliches Kind wurde Joseph Kentenich am 16. November 1885 in Gymnich geboren. Als seine Mutter sich in der Not sah, sich nicht mehr um ihn kümmern zu können gab sie ihren 9jährigen Sohn in ein Internat. Dort weihte sie ihn in der Hauskapelle vor einer Marienstatue: Wenn ich mich nicht um ihn kümmern kann, tu du es, Maria. Dieser Akt blieb zeitlebens von großer Bedeutung für Joseph Kentenich.

Er entschied sich Priester zu werden und wurde kurz nach seiner Priesterweihe zum Spiritual für die Jugendlichen eingesetzt, die sich in der Ausbildung befanden. In der Zeit des aufziehenden ersten Weltkrieges arbeitete er mit den Jungen an einer lebendigen Gottesbeziehung, die nicht mehr von Pflicht und Geboten bestimmt ist. In Verbindung mit dem Liebesbündnis gewann dieses Programm weitere Anhänger und es kamen nach dem Weltkrieg verschiedenen Gruppierungen hinzu. So war Kentenich bald für die Bewegung zuständig, die zunächst als "Apostolischer Bund" und dann als "Apostolische Bewegung von Schönstatt" bekannt werden sollte. In den Jahren der Machtergreifung der Nationalsozialsten war Kentenich als Priester in Deutschland überaus bekannt: Er gab große Exerzitienkurse für hunderte von Priestern, was dem Regime bald zum Dorn im Auge wurde. 1942 wurde Kentenich verhaftet und ins KZ Dachau eingewiesen. Drei Jahre überlebte er und mit ihm die junge Bewegung das KZ. Nach dem Krieg begann die zunehmende Ausbreitung auf internationaler Ebene und Kentenich bereiste viele Länder. Doch bald wurden innerkirchliche Stellungnahmen zu Schönstatt laut, denen die Bewegung und ihrer ungewohnten Ideen seltsam vorkamen. So wurde nach einer Visitation im Jahr 1951 beschlossen, dass Kentenich von seiner Gründung getrennt werden sollte und man schickte ihn ins kirchliche Exil nach Milwaukee, wo er für die deutschsprachige Gemeinde zuständig sein sollte.  14 Jahre er in Amerika bis er nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil und den damit verbundenen Veränderungen in der Kirche eine Rehabilitation erfuhr. Der nunmehr 80 jährige Joseph Kentenich kehrte nach Deutschland zurück und lebte die letzten drei Jahre in einer beständigen Verantwortung und Pflege der mittlerweile weltweiten Bewegung.

Er starb am 15. September 1965 in der Sakristei der Dreifaltigkeitskirche, in welcher heute sein Sarkophag zu finden ist. Der Seligsprechungsprozess ist angelaufen.


Felix / INTERNATIONALE KOMMUNIKATION